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Ist Vielfahren vererbt? Kann das individuelle Mobilitätsverhalten – ob
nun passioniertes Autofahren, ÖPNV nutzen oder mit dem Rad bei jeder Jahreszeit unterwegs zu sein – als Resultat von biographischen Einflüssen und generationsübergreifenden Kontinuitäten verstanden werden?
Diesen Fragen widmet sich das Forschungsprojekt, das mit Prof. Dr. Kay Axhausen von der ETH Zürich, Dr. Alexander von Plato von der Fernuniversität Hagen und Dr. Martin Lanzendorf vom Umweltforschungszentrum Leipzig-Halle kooperiert und von der Deutschen Forschungsgemeinschaft über einen Zeitraum von zwei Jahren mit ca. 65.000 € gefördert wird.
Rund 100 Frauen und Männern aller Altersklassen, unterschiedlicher Berufsgruppen und sozialer Hintergründe werden im Projekt anhand eines Leitfadens interviewt. Der Untersuchungsschwerpunkt liegt auf dem Berlin-Brandenburger Raum. Die Interviewpartner stellten sich aufgrund von Anzeigen in verschiedenen Medien zur Verfügung.
Die bisher durchgeführten Interviews eröffneten ein breites Spektrum scheinbar gewöhnlicher, oft aber überraschender, teilweise sogar spektakulärer Lebensgeschichten rund um die Themen Verkehr, "mein erstes Auto", "unser erster Auslandsurlaub", Wochenend- und Freizeitvergnügen, Wandel in Gesellschaft und Familie: Aufbruch und Ausbruch von Zuhause, die Erkundung neuer Lebensmöglichkeiten mit dem ersten motorisierten Fahrzeug, Um- und Neuorientierungen aufgrund von Job- und Berufswechseln, die oft einen Ortswechsel erforderten, die Wohnstandortwahl mit Lebenspartnern, oder auch die jahrelange logistische Herausforderung von Fernbeziehungen, entstehende und abbrechende Freundschaften – mit Blick auf unsere Mobilitätsgewohnheiten lassen sich ganze Lebensverläufe nachzeichnen. Welche Bruchstellen und Prägezeiten zeigen sich dabei? Sind die familiären, oder die gesellschaftlichen Einflüsse letztlich als die stärkeren auf unser Mobilitätsverhalten einzuschätzen?
Auch wenn es für detaillierte Ergebnisse noch zu früh ist, so lässt sich doch schon festhalten, dass der räumliche Zugang der Eltern und Großeltern "zur Welt", ihre Art die ihnen zur Verfügung stehenden "Möglichkeitsräume" zu erobern und zu nutzen, stark auf die Kindergeneration einwirken. Oft erweist es sich, dass die Kinder, nachdem sie eigene Erfahrungen und Erprobungen neuer Lebensstile durchlebt hatten, in fortgeschrittenem Alter wieder zu den Verhaltensmustern ihrer Eltern auch bezüglich der Mobilität und gewählten Wohnstandorte zurückkehren. Für die Verkehrs- und Raumplanung wie für die Vorhersage von Mobilitätstrends und –Mustern ergeben sich daraus vielversprechende Möglichkeiten.
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